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Beeindruckende Einblicke – Besuche in Einrichtungen der Nepal Youth Foundation (NYF)

ein Bericht von Renate Bauder

Bilder: Renate Bauder, Albert Klar-Bauder, Gabriele Fuchs, Susanne Meyer

Ende März 2018 startete unsere 15-köpfige Heidelberger Reisegruppe nach Nepal, um gemeinsam Land und Leute, aber auch die Arbeit der NYF vor Ort kennenzulernen.

 

Neben der Besichtigung bekannter Sehenswürdigkeiten und berühmter Kulturgüter in Kathmandu, Bhaktapur, Namo Buddha, Patan und Pokhara, sowie einer 3tägigen Wanderung auf dem Royal Trek, galt unser Interessse dem Besuch von Einrichtungen der NYF in Kathmandu, die wir während einer intensiven zweitägigen Tour kennenlernen durften:

  • Ernährungszentrum für unter- bzw fehlernährte Kinder,
  • New Life Center (NLC) für HIV-positive Mütter und Kinder,
  • Psychologischen Beratungsstelle Ankur,
  • Bau von Schulräumen
  • Kinderdorf Olgapuri
  • Olgapuri Berufsschule (OVS)
  • mit unserem Projekt „Build up the Workshop – Drechselwerkstatt“

Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch das von Verkehrsstaus geplagte Kathmandu, erreichten wir die außerhalb von Patan gelegenen ersten beiden Ziele unserer Besuchstour: das Ernährungszentrum und das New Life Center.

Som Paneru, Präsident der Nepal Youth Foundation, hieß unsere Reisegruppe dort offiziell im Namen der NYF mit einem landesüblichen Namaste herzlich willkommen.

Er freute sich sehr darüber, neben den ihm durch die jahrelange Zusammenarbeit gut bekannten mitreisenden Vorstansmitgliedern des Vereins NYF Germany, Anne Haller-Karpf und Albert Klar-Bauder und der  Initiatorin der Reise, Renate Bauder, auch einige aus der Reisegruppe zu sehen, die ihm nicht ganz fremd waren, hatte er doch einige schon einmal während seiner beiden Besuche in Heidelberg getroffen.

Nach seinen einführenden Worten stellte uns Som Paneru  die Leiterin der beiden Zentren, Sunita Rimal, vor.  Sie schilderte fachkundig und anschaulich die Vorgehensweise, wie die unter- bzw.  fehlernährten Kinder im Ernährungszentrum innerhalb weniger Wochen gesundheitlich stabilisiert werden und wie ihre Mütter darin geschult werden , ihre Kinder langfristig mit den ihnen zur Verfügung stehenden lokalen Lebensmitteln gesund zu ernähren. Wir erfuhren, dass es aktuell 29 dieser Zentren über ganz Nepal verteilt gibt.

Ganz besonders beeindruckte uns die Tatsache, dass für jedes der 29 Zentren eine schrittweise staatliche Mitfinanzierung bis hin zur  Vollfinanzierung  nach 6 Jahren durch die NYF vereinbart werden konnte.

Das Haus, die Ausstattung, das Programmmanagement, das zugrundliegende Fachkonzept, die sehr gut ausgebildeten Mitarbeiter,  der strategische Ansatz des Ausstiegsmanagements (Überleitung in staatliche Finanzierung) und die Übernahme der Evaluation und des Monitorings zur Qualitätssicherung überzeugten uns auf ganzer Linie.

http://www.nepalyouthfoundation.org/programs/malnutrition-prevention-and-treatment/

Gleich neben dem Ernährungszentrum liegt das Anfang des Jahres 2018 neu eröffnete New Life Center für HIV-positive Kinder und deren Mütter. Sunita Rimal führte uns durch das Haus, zeigte uns die Schlafsäle, das Spielzimmer, den Gruppenraum, das Beratungszimmer und die Versorgungsräume.

Auf dem Dach des Hauses trafen wir eine Gruppe von Frauen mit ihren Kindern, die gerade zum Thema gesunde Ernährung geschult wurden.

Die Bewohnerinnen erhalten im New Life Center von den Mitarbeitern (Arzt, Ernährungsberater, Betreuer) nahrhafte Mahlzeiten, medizinische Versorgung, psychologische Beratung und pädagogische Begleitung. Laut Sunita Rimal ist dieser ganzheitliche Ansatz das einzige Programm seiner Art für HIV-positive Mütter und Kinder in Nepal.

http://www.nepalyouthfoundation.org/programs/new-life-center/

Zum Besuch der psychologischen Beratungsstelle Ankur fuhren wir in unseren beiden bequemen Kleinbussen zurück nach Patan.

Die Beratungsstelle ist in einem Gebäude in einer ruhigen Nebenstraße untergebracht und bietet Platz für mehrere Therapie-, Beratungs- und Büroräume.

Hier begrüßte uns die Psychologin Sumitra Dhakal, kommissarische Leiterin der Einrichtung mit zwei weiteren Mitarbeitern der Beratungsstelle. Bevor wir in drei Gruppen eingeteilt wurden, um eine der zentralen therapeutischen Methoden  selbst kennenzulernen, erhielten wir einen kurzen Überblick über die Arbeit.

So erfuhren wir, dass psychologische Beratung in Nepal noch in den Kinderschuhen steckt, obwohl viele Kinder an emotionalen Traumata leiden.  Ankur leistet Pionierarbeit in der psychologischen Therapie für benachteiligte Kinder in Nepal.

http://www.nepalyouthfoundation.org/programs/ankur-counseling-program/

Am nächsten Tag fuhren wir in Richtung Olgapuri (bedeutet: Olgas kleine Oase).  Wir konnten ganz in der Nähe zunächst den Rohbau eines Schulgebäudes besichtigen, das nach Fertigstellung an die nepalesische Regierung übergeben werden soll.

Riswo Gorkhali, der Manager des Programms „Bau von Schulräumen“erklärte uns, dass nach den beiden Erdbeben 2015  die NYF insgesamt 182 erdbebensichere Schulräume, auch dank der Spenden aus  Deutschland errichten konnte. Mit der Fertigstellung des von uns besichtigten Baus wird das Hilfsprogramm „Schoolroom“  beendet.

Nach der interesanten Baustellenbesichtigung machten wir uns zu unserem letzten Besuchsort auf. Wir waren sehr gespannt auf das Kinderdorf und die Berufsschule Olgapuri.

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Rajan Pandit, der uns als Manager des Kinderdorfes begrüßte, führte uns nach einem stärkenden landestypischen Dal-Bhat Essen in der Kinderdorfmensa über das Gelände.

Besonders begeisterten uns neben den erdbebensicheren, einladenden Gebäuden und der herrlich ruhigen Lage im Grünen die landwirtschaftlichen Aktivitäten in Ackerbau (Gemüseanbau) und Viehzucht (Küh- und Hünherstall) sowie die Aqua-Ponik Anlage (ein Verfahren, das die Aufzucht von Fischen in Aquakultur und die Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur verbindet).

Von ganz besonderem Interesse war für uns der Besuch der Berufsschule, deren Aufbau auch durch die Unterstütztung der Mitglieder der Reisegruppe ermöglicht wurde.

Berufliche Bildung ist ein neues Tätigkeitsfeld der NYF, das jungen Menschen durch staatlich anerkannte Qualifizierung eine Perspektive als Facharbeiter geben soll.

Was wir in der Berufsschule sahen, übertraf all unsere besten Erwartungen um ein Vielfaches.

Som Paneru ließ es sich nicht nehmen uns persönlich durch die im Januar 2017 eingeweihte Berufsschule mit ihren Büros, Unterrrichts- und Besprechungsräumen, einem Konferenzsaal, einer Cafeteria und den Werkstätten Elektro, Metall, Sanitär und Holz zu führen.

Er berichtete, dass junge Männer und Frauen ab 16 Jahre theoretisch und praktisch in den vier Berufen Elektriker, Installateur, Schweißer und Schreiner/Drechsler in jeweils 3-monatigen Lehrgängen qualifiziert werden. Während unseres Rundgangs waren die Schulräume und die Werkstätten komplett mit jeweils 15-20 Auszubildenden belegt.

Das ganze Gebäude war erfüllt vom Hämmern, Sägen, Schweißen und Schleifen der etwa 70 jungen Menschen, die mit großem Eifer bei der Sache waren. Laut Som Paneru haben 95% der bisher etwa 100 Absolventen der OVS sofort einen Arbeitsplatz erhalten. Das ist wirklich großartig!

Endlich in der Drechselwerkstatt angekommen, konnten wir einen Werkaum begutachten, der mit Maschinen, Werkzeugen, Werktischen und Material gut ausgestattet war und in dem junge Leute mit Begeisterung Übungsstücke aber auch bereits verkaufsfähige Produkte herstellten.

Für Albert Klar-Bauder war der Besuch sozusagen ein Heimspiel. Er kehrte an den Ort zurück, den er mit einer kleinen Gruppe von Experten und Unterstützern im Oktober 2016 aufgebaut hatte.

 

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Zu seiner großen Freude traf er Sugrib Tamang, einen der auf der Drechselmaschine 2016 geschulten Schreiner nun als Leiter der Scheiner- und Drechselwerkstatt wieder.

 

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Für die gesamte Reisegruppe waren die Begegnungen in der Drechselwerkstatt sehr berührend, hatten doch viele der Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer dieses Projekt von Anfang an von Deutschland aus unterstützend begleitet und konnten nun das Ergebnis selbst vor Ort sehen und erleben.

 

Bemerkenswert war für uns, dass zusätzlich zu der Ausbildung im Rahmen eines Projektes für Frauen, eine Auftragsproduktion von gedrechselten Schalen, Döschen, Massagerollen sowie  die Fertigung von Holzbrettern und -löffeln in kleiner Stückzahl stattfindet.

 

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Zum Abschluss unseres Besuchs in Olgapuri  gab es noch ein zusätzliches Highlight. Wir verteilten auf dem großen Dorfplatz  die aus ganz Deutschland gespendeten, selbst gedrechselten Kreisel als Geschenke an die Kinder und Jugendlichen. (An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Drechselstube Neckarsteinachhttp://www.drechselstube.de –  für den Spendenaufruf und an alle Spender für die wunderschönen Kreisel – insgesamt 150 Stück!).

Diese Aktion fühlte sich an wie ein aus dem Nichts entstandenes spontanes Freudenfest. Wahrscheinlich haben wir damit das nachmittägliche Dorfleben ganz schön aufgemischt! Es war ein wunderbares Erlebnis, von dem wir glaubten, dass es nicht mehr zu toppen war. Aber es kam anders…

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Som Paneru bescherte uns anschließend noch eine besondere Überraschung. Spontan ließ er die unwissende Gruppe zum Privathaus von Olga Murray, der 92jährigen Gründerin und Ehrenpräsidentin der NYF fahren, die uns alle (15 Personen) hocherfreut und bestens gelaunt zum Tee empfing. Sie hat uns mit ihrer Präsenz, ihrer Energie, ihrem Engagement und ihrer Unkompliziertheit sehr beeindruckt und einen bleibenden Eindruck bei uns allen hinterlassen.

 

 

 

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